{"id":298,"date":"2018-09-25T10:22:07","date_gmt":"2018-09-25T10:22:07","guid":{"rendered":"http:\/\/christian-w-thomsen.de\/?page_id=298"},"modified":"2024-03-15T13:06:09","modified_gmt":"2024-03-15T13:06:09","slug":"projekt-axel-und-wibke-mueller-landschaftsspuren-ausstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/?p=298","title":{"rendered":"Ausstellung &#8211; Axel und Wibke M\u00fcller &#8222;Landschaftsspuren&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christian W. Thomsen<\/p>\n<p>AXEL UND WIBKE M\u00dcLLER: <em>LANDSCHAFTSSPUREN<\/em><\/p>\n<p>Liebe Kunstfreunde aus Netphen und der weiten Welt,<\/p>\n<p>wenn ich im Erinnerungsbuch meiner ca. 100 Ausstellungser\u00f6ffnungen im Verlauf der letzten 50 Jahre bl\u00e4ttere, so hatten wir da durchaus schon K\u00fcnstler-Ehepaare, M\u00fctter und T\u00f6chter, aber noch nie einen Vater mit seiner Tochter als zwei eigenst\u00e4ndige K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeiten vorgestellt. Also, Axel und Wibke, Ihr verk\u00f6rpert ein Novum in unserer Zusammenarbeit mit K\u00fcnstlern, seid herzlich willkommen!<\/p>\n<p>Im Siegerland hat sich ja seit Gr\u00fcndung der ehemaligen Gesamthochschule und heutigen Universit\u00e4t eine breite, eigenst\u00e4ndige Kunstszene herausgebildet. F\u00fcr den echten Siegerl\u00e4nder ist jedoch alles westlich der A45 noch immer mit dem Gef\u00fchl von Abenteuer und Ausland behaftet, obwohl schon lange keine B\u00e4umer erst Wegzoll verlangen, bevor sie ihre Schlagb\u00e4ume heben. Die oberbergische Kunstszene ist hierzulande ebenso wenig bekannt, wie umgekehrt die Oberbergler nur selten vom Siegerland Notiz nehmen. Sie richten ihren Blick gewohnheitsm\u00e4\u00dfig gen K\u00f6ln und das Rheinland. F\u00fcr uns als Neuank\u00f6mmlinge vor 46 Jahren, hat das nie gegolten. Und seit Gr\u00fcndung des Kunstkabinetts in Reichshof-Hespert vor 26 Jahren, mit seinem Kunst-Tausendsassa Bodo Gerono an der Spitze, hat es sich ergeben, dass wir in die dortige Kunstszene genauso hineingewachsen sind, wie in die Siegerl\u00e4nder Szene. Dabei haben sich herzliche Freundschaften mit kunstinteressierten Oberberglern gebildet. Zu ihnen z\u00e4hlt seit vielen Jahren auch Axel M\u00fcller. Und eine der Hauptfragen, die sich angesichts der so verschiedenen Arbeiten von Vater und Tochter M\u00fcller stellen, ist ja die nach der k\u00fcnstlerischen Wahrnehmung und Verarbeitung von Landschaft. Wie wird Landschaft wahrgenommen? Was findet, in welcher Art, Eingang in den k\u00fcnstlerischen Schaffensprozess?<\/p>\n<p>Wir kamen seinerzeit ins Siegerland, als der Bau der A4 von K\u00f6ln nach Olpe zwar begonnen hatte, aber noch Jahre andauerte, w\u00e4hrend derer man sich auf einer Fahrt nach K\u00f6ln durch Bergneustadt, Gummersbach und Engelskirchen auf \u00fcbervollen Land- und Bundesstra\u00dfen qu\u00e4lte und einem dadurch die sch\u00f6ne und vielgestaltige bergische Landschaft verleidet wurde. So blieben eigentlich nur die \u00fcblichen Stop- and Go-Impressionen \u00fcberlasteter Stadt- und Landstra\u00dfen und wenige positive Landschaftseindr\u00fccke im gestressten Automobilisten-Hirn haften.<\/p>\n<p>Dauerte seinerzeit, Anfang der 70er-Jahre, die Autofahrt von Siegen nach K\u00f6ln noch mehr als 3 Stunden, so hat sich das, vor allem seit der HTS-Anbindung der A4 bis ins Siegener Stadtzentrum, auf weniger als 60 Minuten verk\u00fcrzt. Zur Erinnerung: 1850 nahm die Fahrt mit der Express-Postkutsche von Siegen nach K\u00f6ln 2 Tage und 8 Stunden in Anspruch. Von Netphen bis Siegen kamen noch einmal 1,5 Postkutschen-Stunden hinzu.<\/p>\n<p>35 professorale Dienstjahre mit Arbeitsaufenthalten und Gastprofessuren in vielen L\u00e4ndern haben mich erkennen lassen, dass die fertige A4 nach K\u00f6ln, mit ihrer \u00fcberaus gekonnten Einbettung in die Landschaft, zu den sch\u00f6nsten und anspruchsvollsten Stra\u00dfenbauten der Welt geh\u00f6rt. Jedoch nimmt man jetzt die oberbergische, sich allm\u00e4hlich in die K\u00f6ln-Bonner Bucht senkende Landschaft mit Tempo 150 nur noch als vorbeihuschenden Film wahr.<\/p>\n<p>Seit unsere Familie vor 20 Jahren auch noch zu einer Familie von Ballonfahrern wurde, hat sich eine weitere, ganz andere, intimere und intensivere \u201eLandschaftswahrnehmung\u201c bei uns herausgebildet.<\/p>\n<p>Aus 1000 \u2013 2000 m H\u00f6he erlebt man beim ruhigen Dahingleiten und \u2013schweben des Ballons, nur unterbrochen von gelegentlichen fauchenden Feuerst\u00f6\u00dfen des Brenners, die Landschaft unter sich mit ihren deutlich sichtbaren Ver\u00e4nderungen vom Bergischen ins h\u00f6her gelegene Sauer- und Siegerland mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t und vielen Details.<\/p>\n<p>Zum Ball\u00f6ner geh\u00f6rt aber auch noch eine zweite, eine Bodenperspektive, n\u00e4mlich die des Verfolgers, der schlie\u00dflich den gelandeten Ballon bergen und auf dem Anh\u00e4nger wieder nach Hause bringen muss. Da f\u00e4hrt man, immer mit einem Auge auf der Stra\u00dfe und dem anderen am Himmel, \u00fcber Berg und Tal, sp\u00e4ht auf den H\u00f6hen nach dem Ballon, verfranzt sich in den T\u00e4lern, verliert gelegentlich den Funkkontakt und atmet schlie\u00dflich erleichtert auf, wenn man seinen Ballon auf einer Kuhweide oder Talwiese, gleich hinter einer gef\u00e4hrlichen Hochspannungsleitung bei Morsbach gefunden hat. Im Endeffekt f\u00fchrte das zu einer so intensiven Vertrautheit mit der siegerl\u00e4ndisch, sauerl\u00e4ndisch, bergischen Landschaft, dass diese zur echten Heimat von Leib und Seele wurde.<\/p>\n<p>Und Wiehl ist dem Ballonfahrer vor allem als eines der deutschen Zentren des Hei\u00dfluftballonsports bekannt das schon mehrmals deutsche und sogar in Australien einen Weltmeister gestellt hat. An Einwohnerzahl ist Wiehl beinahe identisch mit der von Netphen. W\u00e4hrend letztere sich auf den Kern Ober- und Niedernetphen mit ca. 6.000 Einwohnern konzentriert und 20 weitere D\u00f6rfer umfasst, sind es bei ann\u00e4hernd gleicher Stadtkerngr\u00f6\u00dfe von Wiehl, 50 dazugeh\u00f6rige D\u00f6rfer, mitunter nur Flecken mit 5 \u2013 12 Einwohnern, die sich auf die \u00fcbrigen 19.000 Bewohner verteilen.<\/p>\n<p>In Wiehl hat der 1961 in Bergneustadt geborene Axel M\u00fcller 1982 Abitur gemacht und nach der Bundeswehr in Essen an der Folkwangschule Kunst und an der seinerzeitigen Gesamthochschule Geschichte studiert. Er schloss seine Examina mit Auszeichnung ab, absolvierte den Vorbereitungsdienst zum Lehramt in Kierspe, Hagen, L\u00fcdenscheid, also im Sauerland, begann seinen Schuldienst 1995 an einer Gesamtschule in Remscheid und wechselte 3 Jahre sp\u00e4ter an die Gesamtschule Reichshof, deren gymnasiale Oberstufe er mitaufbauen half, und wo er heute als Studiendirektor f\u00fcr die F\u00e4cher Kunst und Geschichte, als Oberstufen-Beratungslehrer sowie als schulischer Koordinator f\u00fcr Kunst und Kultur wirkt.<\/p>\n<p>Axel M\u00fcller ist also ein Oberbergler von reinstem Schrot und Korn. Schon im elterlichen Keller begann er, auf Sackleinwand mit Pappe als Malgrund zu malen. W\u00e4hrend des Studiums und danach strebte Axel schnell weg von konventioneller Malerei, fing schon vor 30 Jahren an, Reliefs, Collagen, dreidimensionale Arbeiten aus verschiedensten Papieren, Kartons, Pappe zu formen, mit einer Vorliebe f\u00fcr jenes feine, schwarze Seidenpapier, das wir alle aus unseren Schuhkartons kennen.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend des Studiums geriet Axel unter den Einfluss von Joseph Beuys, dem damals kaum jemand entkommen konnte. Daneben aber begann er, sich anhaltend f\u00fcr jene vom herausragenden italienischen Kunstkritiker und \u2013kurator Germano Celant \u201earte povera\u201c benannte Richtung zu interessieren. Diese \u201earme\u201c Spielart moderner Kunst benutzte f\u00fcr ihre Werke einfache Alltagsmaterialien wie Erde, Glas, Holz, Bindf\u00e4den u.a. die sie zu Installationen verarbeitete.<\/p>\n<p>Solche Interessen deuten schon darauf hin, dass wir es im Falle Axels und seiner Tochter Wibke bei einer Ausstellung mit \u201eLandschaft\u201c im Titel nicht um die Gattung Landschaftsmalerei im \u00fcblichen gegenst\u00e4ndlichen Sinne, so wie Portr\u00e4t, Stillleben, dem Historienbild u.a. Gattungen, geht, sondern bei ihm um Arbeiten, die in die Dreidimensionalit\u00e4t streben und bei Wibke um stark abstrahierte, tats\u00e4chliche Spuren von Landschaftsdarstellung, die der Fantasie des Betrachters weiten Spielraum f\u00fcr Interpretationen gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Zu den prominentesten Vertretern der \u201earte povera\u201c z\u00e4hlen Mario Merz, der die Welt mit immer neuen Iglus aus verschiedensten Materialien als Metapher f\u00fcr die urspr\u00fcngliche, organische Form menschlicher Behausung begl\u00fcckte, oder der Brite Andy Goldsworthy mit wunderbaren, farbenpr\u00e4chtigen, aber schnell vergehenden Bl\u00fcteninstallationen auf Wasserfl\u00e4chen oder einer unserer echten Familienfreunde, der Venezianer Fabrizio Plessi, der schon fr\u00fch begann, moderne Licht- und Computermedien mit Naturmaterialien zu verbinden.<\/p>\n<p>Angeregt durch die genannten und andere K\u00fcnstler entdeckte Axel M\u00fcller Speicher als Lebensthema. Wenn wir heute von Speichern und ihrer Kapazit\u00e4t reden, denken wir in erster Linie nicht an Dachb\u00f6den, Vorratskeller, Lagerh\u00e4user, sondern an die Datenspeicher von Computer-Festplatten oder die der \u201eCloud\u201c, einer Wolke, die in Wahrheit aus riesigen Serverstationen mit komplizierter Hardware besteht. Sie sind mit Vorliebe in Finnland angesiedelt, weil dort der Strom so billig ist.<\/p>\n<p>Axel aber denkt bei Speichern an archaische Vorratsbeh\u00e4lter, welche die Menschen seit Urzeiten zum Sammeln und zur dauerhaften Aufbewahrung von lebenswichtigen Vorr\u00e4ten erfunden und konstruiert haben.<\/p>\n<p>Hier kommt der ja allzeit neben und in dem K\u00fcnstler Axel M\u00fcller existierende Historiker ins Spiel. Der m\u00f6chte einfach wissen, wie einfallsreich Menschen in fr\u00fcheren Zeiten ihre Bevorratung gel\u00f6st haben. In der Natur von heute entdeckt er vor allem Schotenfr\u00fcchte als ideale Samen- und Fruchtspeicher und integriert sie in seine Installationen. Dadurch angeregt aber erfindet er aus Leinen, Holz, Pappe, verschiedensten Papieren, eigene Speichers\u00e4cke, Fr\u00fcchtek\u00e4sten, schwebende Bl\u00fctenspeicher, poesiegeladene Beh\u00e4lter f\u00fcr Rosenbl\u00fcten, Lindenbl\u00fcten, Farne, Lavendel, Knospen exotischer Fr\u00fcchte und verwendet sie als Kunstobjekte: H\u00e4ngend, schwebend, als Rollen-, H\u00e4nge- und Klappspeicher entwickeln sie ihre eigene \u00c4sthetik.<\/p>\n<p>Letztere entfaltet sich, mitunter weit von der urspr\u00fcnglichen Anlehnung an Naturgebilde entfernt, in ganz neuen Schoten und anderen Beh\u00e4ltern von eigener Sch\u00f6nheit und Anmut. F\u00fcrs Siegerland passt das sozusagen wie erfinderisch angegossen. Der Beh\u00e4lter- und Apparatebau, \u201eRat am Apparat\u201c, ist schlie\u00dflich einer der zentralen Industriezweige unserer Region. Die Schote gewisserma\u00dfen als Naturform, die zur k\u00fcnstlerischen wie zur technischen Weiterentwicklung neuer naturnaher, organischer Speichermedien in Haushalt&nbsp; und Industrie anregt, der Natur abgeluchster \u201eApparatebau\u201c eben.<\/p>\n<p>Axel jedoch betreibt seine Forschungen und Beh\u00e4ltererfindungen multisensorisch. Mit Vorliebe sammelt er, angefangen vom eigenen Garten und den G\u00e4rten seiner Nachbarn, bis in entferntere G\u00e4rten, W\u00e4lder und Felder Rosen- und Lindenbl\u00fcten als zarte Spurenzeugen der heimischen Landschaft. Er nimmt aber auch Lavendel, Zimt und allerlei andere Gew\u00fcrze als Spuren der jeweiligen Regionen in seine Objekte auf, um damit alle unsere Sinne zu stimulieren. Und so best\u00fcckt er mit all dieser duftenden Vielfalt geradezu &nbsp;olfaktorisch &#8211; virtuos seine Speicher.<\/p>\n<p>Mediziner, Optiker und Medienprofis behaupten aufgrund vieler Tests, dass wir Menschen in entwickelten Industriestaaten der Gegenwart 85 % all unseres Welterlebens und \u2013erfahrens \u00fcber den Gesichtssinn des Auges wahrn\u00e4hmen. Dabei verk\u00fcmmern, wenn nicht regelm\u00e4\u00dfig trainiert, allm\u00e4hlich unsere anderen Sinne, vor allem der Geruchssinn. Unsere Hunde sind ja bekanntlich farbenblind. Aber sie sehen und erkennen Welt ganz wesentlich mit ihrer Nase.<\/p>\n<p>Axel integriert die Welt der D\u00fcfte in seine Kunstspeicher: als Bodeninstallationen, als Pendel von der Decke h\u00e4ngend, an Schn\u00fcren aufgeh\u00e4ngt als schwebende Bl\u00fctenspeicher. Besonders reizvoll sind in dieser Hinsicht die Entwurfszeichnungen seiner Kunstobjekte, die ihn geradezu als K\u00fcnstleringenieur ausweisen.<\/p>\n<p>Zusammen mit Inge, meiner Frau, habe ich im proven\u00e7alischen Grasse, dem Zentrum der franz\u00f6sischen Parfum-Industrie, zweimal F\u00fchrungen durch Labore und Herstellungsfirmen teurer Parfums gemacht. Einmal nahm ich in Siegen an der Uni auch an einem Workshop bei einem jener, \u201eNasen\u201c genannten, 10 \u2013 15 Extrem-Spezialisten, die es auf der Welt gibt, teil. Sie k\u00f6nnen in ihrer Nase tausende von D\u00fcften speichern und miteinander kombinieren. Diese wenigen \u201eSuper-Nasen\u201c beraten die gesamte einschl\u00e4gige Industrie bei der Erfindung und Herstellung neuer D\u00fcfte.<\/p>\n<p>In Grasse aber konnte man R\u00e4ume sehen, in denen viele Zentner Rosenbl\u00fcten und Bl\u00fcten exotischer Pflanzen und Blumen gelagert waren. Wenn man bedenkt, wie wenig so ein Rosenblatt wiegt, waren das ungeheure Mengen und Werte.<\/p>\n<p>Axel M\u00fcller ist da bescheidener, aber ebenfalls ingeni\u00f6s. Und als Erfinder poetisch aufgeladener Speicher mit multisensorischer \u00c4sthetik, die zu neuem Sehen und Erleben seiner Kunstgebilde anregt, begibt er sich auf seinen ganz eigenen Weg.<\/p>\n<p>Was mir da noch fehlt, sind Klangk\u00f6rper-Duft-Schoten aus original oberbergischer Zucht, deren klingenden Inhalt man schmecken und auch essen kann. Eine neue Form von \u201eeat art\u201c also. Das ist sicher nicht billig, aber prinzipiell wahrscheinlich machbar. Das k\u00f6nnte ja in Zusammenarbeit mit Jochen Fassbender geschehen, mit dem wir hier f\u00fcr Mai 2019 eine Klangevent-Kooperation planen.<\/p>\n<p>Immerhin hast du, lieber Axel, deine Schotengebilde bereits zur Serienreife entwickelt. Du bist noch r\u00fcstig und voll dabei, das l\u00e4sst mich f\u00fcr meinen 80. Geburtstag hoffen. Jedoch, ohne Flax, Axels Kunstk\u00f6rper und \u2013objekte k\u00f6nnten, angelehnt an Retrospektiven auf alte Bauernh\u00e4user mit ihren ebenerdigen Lehmboden-Kellern und gro\u00dfen Tongef\u00e4\u00dfen, wie sie in einigen Beispielen auch hier, im Netpherland noch zu finden sind, Denkanst\u00f6\u00dfe f\u00fcr neue, organische, naturnah-\u00f6kologische Vorratsspeicher der Zukunft liefern. Sie k\u00f6nnten ohne oder mit geringer Zufuhr von elektrischer Energie Vorr\u00e4te \u00fcber l\u00e4ngere Zeit speichern und frisch halten, ben\u00f6tigten keinen Kellerraum und b\u00f6ten \u00fcberdies als Kunstobjekte noch multisensorisch-\u00e4sthetischen Reiz.<\/p>\n<p>Und nun zu Wibke M\u00fcller. Diese junge Frau wird im n\u00e4chsten Monat erst 23. Und angesichts ihres jugendlichen Alters ist das, was sie bisher geleistet und vorzuweisen hat, in h\u00f6chstem Ma\u00dfe erstaunlich.<\/p>\n<p>Wibke hat 2014 am Gymnasium in Wiehl ihr Abitur abgelegt und gleich darauf ein Freiwilliges Soziales Jahr an der internationalen Kunstakademie Heimbach in der Eifel begonnen, wo sie Pressearbeit leistete, Besucherf\u00fchrungen durch die Akademie und Ausstellungen machte und bei der Organisation von Kunstworkshops im Bereich der bildenden Kunst mitarbeitete. Das Jahr bis zum Beginn ihres Studiums der Kunstp\u00e4dagogik in Gie\u00dfen war au\u00dferdem mit einer Reihe von ehrenamtlichen T\u00e4tigkeiten im Bereich k\u00fcnstlerischer Jugendarbeit mehr als ausgef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Bekanntlich f\u00e4llt ja, wie das Sprichwort schon sagt, die Birne nicht weit vom Apfelbaum, d. h. im Falle Wibkes, es liegt in ihren Genen und sie besa\u00df kaum eine Chance, ein anderes Studium als das der Kunst aufzunehmen. Sie war jedoch realistisch genug, dies mit einer Option aufs Lehramt zu verbinden, da ihr von vornherein klar war, wie unsicher und entbehrungsreich Karrieren als freie K\u00fcnstler sind. Der Spruch von der brotlosen Kunst basiert auf vielen Lebensrealit\u00e4ten ebenso wie die Frage: \u201eWas macht die Kunst?\u201c und die Antwort: \u201eDie Kunst geht nach Brot.\u201c Ihre positiven Erfahrungen in Heimbach, wo ja auch die Siegerl\u00e4nder K\u00fcnstlerin Annette Besgen h\u00e4ufig als Dozentin wirkt, d\u00fcrften Wibke in ihrem Entschluss best\u00e4tigt haben. Ihre zahlreichen ehrenamtlichen T\u00e4tigkeiten im Bereich der Kunstp\u00e4dagogik unterstreichen ein echtes p\u00e4dagogisches Interesse, w\u00e4hrend ein Dilemma vieler K\u00fcnstler an Akademien ja darin liegt, dass sie eigentlich gar keine Lust haben, zu unterrichten. Sie tun dies gezwungenerma\u00dfen lediglich deshalb, weil sie eben nach Brot gehen m\u00fcssen. Aber eigentlich m\u00f6chten sie sich stets selbst verwirklichen. Deshalb sind oft gerade ber\u00fchmte K\u00fcnstler als Professoren an Kunstakademien fehl am Platz. Ihre Studierenden st\u00f6ren sie nur in ihrer eigenen Kunst, fallen ihnen l\u00e4stig, wohingegen gute P\u00e4dagogen oft selbst nur mittelm\u00e4\u00dfige K\u00fcnstler sind.<\/p>\n<p>Wie sich dieses Problem bei Wibke l\u00f6sen l\u00e4sst, wird die Zukunft zeigen. Doch scheinen mir die Voraussetzungen angesichts ihres echten p\u00e4dagogischen Interesses und eines Vaters, der stets zwischen seiner eigenen Kunst und dem, was er an der Schule unterrichtet, zu trennen wei\u00df, gut. Und was ihre eigene Kunst angeht, so kann ich nur aufgrund der wenigen Bilder, die ich bisher gesehen habe, ein Urteil f\u00e4llen. \u00dcberdies sind wir uns im wahren Leben erst dreimal begegnet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Axels hier ausgestellte Arbeiten, wie erkl\u00e4rt, nur indirekt und vermittelt mit dem Ausstellungsthema \u201eLandschaftsspuren\u201c verbunden sind, betitelt Wibke ihre kleine Brosch\u00fcre mit den Arbeiten aus den Jahren 2015 bis 2018 ausdr\u00fccklich \u201eLandschaften \u2013 landscapes\u201c. Darin werden, vor allem unter den \u201eAcryl auf Papier\u201c-Arbeiten der Jahre 2017 und 2018 auch vielerlei Landschaftsbez\u00fcge sichtbar, w\u00e4hrend die Arbeiten aus den ersten Studienjahren 2015 und 2016 mehr die Ein\u00fcbung in verschiedene malerische Techniken und Materialien demonstrieren, wie Aquarell, Frottage, Collage, Kohle- und Tusche-Zeichnung, solche mit Kugelschreiber oder auch Acryl auf Steinpapier. Sie zeigen zumindest, dass Wibke schnell gelernt hat, verschiedene Techniken zu beherrschen.<\/p>\n<p>Nun darf man sich unter dem Sammeltitel \u201eLandschaftsspuren\u201c, wie erw\u00e4hnt, auch keine realistischen Bilder mit Themen wie \u201eK\u00fche auf der Weide hinter M\u00fcllers Haus in Oberwiehl-B\u00fcttinghausen\u201c vorstellen, sondern es geht hier um das Sichtbarmachen von Strukturen, um verdichtete Ahnungen von geologischen Landschaftsformationen, verbunden mit dem Ausprobieren von Farbeffekten, vornehmlich von Wibkes Lieblingsfarbe \u201eBlau\u201c.<\/p>\n<p>Vermutlich auf Fotos basierende, abstrahierte, \u00e4sthetisch \u00fcberzeugende Waldbilder zeigen dann einen Wechsel zu figurativen Arbeiten an. Diesen Wechsel vollzieht Wibke auch in ihrem Alltagsleben: Denn nach vier Semestern kunstp\u00e4dagogischen Grundstudiums in Gie\u00dfen, mit zwischenzeitlichem Wohnsitz in Marburg, wechselt sie zu Beginn des Wintersemesters 2017\/2018 zum Kunststudium an die Uni Duisburg-Essen. Damit verbunden ist nat\u00fcrlich auch ein Wechsel der Lebenssituation, erst von der l\u00e4ndlichen Idylle Wiehl in die architektonisch wenig aufregende Mittelstadt Gie\u00dfen, das ja architektural ebenso mittelm\u00e4\u00dfig, b\u00fcrgerlich verschnarcht ist wie Weidenau, nur platt und ohne reizvolle Weidenauer H\u00fcgelketten. Dann nach Marburg mit seiner wunderbaren, geschichtstr\u00e4chtigen Stadt- und Schlosskulisse, und nun in die pulsierende, k\u00fcnstlerisch attraktive, jedoch mit vielen Problemen beladene Gro\u00dfstadtszenerie Essens.<\/p>\n<p>Das wirkt sich sofort auf Wibkes Bilder aus. Wibke entdeckt Farben, Farbkombinationen, Farbkompositionen und Farbkontraste. Sie experimentiert damit, l\u00e4sst figurative Ankl\u00e4nge &nbsp;an Licht und Wolken an die l\u00e4ndliche Weite und R\u00e4ume der oberbergischen Heimat ebenso durchklingen wie die abstrahierte historische Altstadtsituation Marburgs und nun die unruhig bewegte Wucht der Hochh\u00e4user Essens.<\/p>\n<p>Und dann kam jener 12. August 2018, an dem wir uns bei flirrender Hitze im Hause und in der Ateliergarage ihrer Eltern trafen. Da standen und lagen sie, eine Vielzahl neuer Acryl- und Aquarellbilder in kleinen Formaten, temperamentvolle Landschaftsformationen in Blau-, Grau-, Rot- und Schwarzt\u00f6nen, die den Betrachter sofort zu pers\u00f6nlichen Assoziationen und Interpretationsans\u00e4tzen anregen. Als H\u00f6hepunkte jedoch drei gr\u00f6\u00dfere Formate, die mich, w\u00e4re ich ein Inuit \/ Eskimo, selbst bei dieser Hitze noch von jedem Schlitten gerissen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Eine neue Wibke voller Temperament und optimistischer Lebensfreude, angedeutete Gebirgs-, See- und Talformationen in leuchtenden Orange-, Rot- und Blaut\u00f6nen, kraftvoll und zart zugleich, eine Lust f\u00fcr Auge und Gem\u00fct. Am besten geradewegs zum Mitnehmen. Wie befreit wirken diese Bilder, Urlaubsreminiszenzen an Hochgebirge, Wechsel des Lebensumfelds, vielleicht auch Liebe, all das dr\u00fcckt sich in diesen kompositorisch so gelungenen Acrylbildern aus.<\/p>\n<p>Wibke sagt im Gespr\u00e4ch auf die Frage, wie die neue Umgebung auf sie wirke, dass sie sich am liebsten treiben lasse und dabei Eindr\u00fccke von Stadt, Parks und Landschaften auf sich wirken lasse. Perambulieren, beim Herumstreifen und Durchwandern genie\u00dfen, nannten es vornehm die R\u00f6mer, aber auch die adligen Park- und Landschaftsg\u00e4rten-Gestalter des 18. Jahrhunderts mit ihren ber\u00fchmten Gartenarchitekten wie in W\u00f6rlitz, Branitz, Muskau, Babelsberg und auch dem Netphen partnerschaftlich verbundenen Schlosspark von Zagan. Das Ziel ist jedes Mal, Stadt-, Park- und Gartenlandschaft mit allen Sinnen auf sich einwirken zu lassen, sie quasi aufzusaugen und dann innerlich zu verarbeiten, so dass daraus neuerlich Kreativit\u00e4t entstehe. Das erinnert mich an meine eigene Jugend, in der ich, exakt in Wibkes Alter, zwei Jahre in London studierte und mir zusammen mit meinem Freund Michael Fiedler, auf zahllosen langen Spazierg\u00e4ngen und Fahrten im Oberdeck der roten Doppeldeckerbusse, gleich \u00fcber dem Fahrersitz, bei bester Rundumsicht die Stadt ganz anders als bei Aufenthalten in Paris oder Los Angeles, zu eigen, zur zweiten Heimat machte, was sie im Innersten bis heute geblieben ist.<\/p>\n<p>Wibke aber zeigt sich in ihren neuen Bildern als eine ungemein vielversprechende, junge K\u00fcnstlerin. Sie wird ihren Weg finden und gehen und der wird, dessen bin ich sicher, noch f\u00fcr viele \u00dcberraschungen gut sein.<\/p>\n<p>Lehrer M\u00fcllers Kind gedeiht also offensichtlich, w\u00e4hrend ihr Vater munter weiter mit Bl\u00fcten, Schoten, ihren Samen und D\u00fcften experimentiert, uns und Ihnen zur Freude an dieser Ausstellung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignnone size-medium wp-image-300\" alt=\"\" src=\"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2-225x300.jpg\" srcset=\"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2-225x300.jpg 225w, https:\/\/christian-w-thomsen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2-768x1024.jpg 768w, https:\/\/christian-w-thomsen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a> <a 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Thomsen AXEL UND WIBKE M\u00dcLLER: LANDSCHAFTSSPUREN Liebe Kunstfreunde aus Netphen und der weiten Welt, wenn ich im Erinnerungsbuch meiner ca. 100 Ausstellungser\u00f6ffnungen im Verlauf der letzten 50 Jahre bl\u00e4ttere, so hatten wir da durchaus schon K\u00fcnstler-Ehepaare, M\u00fctter und T\u00f6chter, aber noch nie einen Vater mit seiner Tochter als zwei eigenst\u00e4ndige K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeiten vorgestellt&#8230;. <\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/?p=298\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/298"}],"collection":[{"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=298"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":390,"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/298\/revisions\/390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christian-w-thomsen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}